Arbeitssitzung bei der HWK

Auf Einladung des israelischen Wirtschaftsministeriums entsandte das Bundesministerium für Bildung und Forschung eine Gruppe von Berufsbildungs-experten nach Israel. Die Delegation stellte das Bundesinstitut für Berufsbildung zusammen. Erwin Bauschmann vom Rhein-Maas-Berufskolleg war dabei.


Der Hintergrund ist, dass die israelische Regierung will die berufliche Bildung stärker in den Focus der Gesellschaft rücken will, weil

  • Israel einen akuten Fachkräftemangel hat – nicht nur, aber vor allem im Handwerk; 
  • die in den 1980er Jahren aus der früheren Sowjetunion eingewanderten ca. 1 Million in der Regel gut ausgebildeten Menschen jetzt allmählich das Rentenalter erreichen und aus dem Erwerbsleben ausscheiden, was nicht nur den Fachkräftemangel verschärft, sondern auch dazu führt, dass in Israel Ingenieure und Naturwissenschaftler fehlen, die aber dringend gebraucht werden. So harren beispielsweise vor der israelischen Küste erhebliche Gasvorkommen unter dem Meeresboden der Erschließung, die das Land von Ölimporten unabhängig machen würden;
  • die berufliche Ausbildung in den Augen der israelischen Gesellschaft kein Renommee besitzt, was dazu führt, dass Eltern sich sehr anstrengen, damit ihre Kinder das Bagrut (= israelisches Abitur) erlangen; eine Berufsausbildung ist in den Augen der meisten etwas für die, „die es nicht geschafft haben“;
  • es infolge des mangelnden Renommees auch keine speziellen Berufsschullehrer gibt.

In Israel ist für die allgemeinbildenden Einrichtungen – vom Kindergarten bis zum Bagrut – das Bildungsministerium zuständig. Für die beruflichen Bereiche ist das Wirtschaftsministerium verantwortlich, das deshalb auch forciert dafür eintritt, Strukturen für ein duales System der Ausbildung zu schaffen. Eine Sonderstellung nehmen in der beruflichen Bildung die IDF (= Israel Defense Forces) ein. Wer eine Berufsausbildung innerhalb des dreijährigen (Männer) bzw. zweijährigen (Frauen) Wehrdienstes absolviert hat, ist hervorragend qualifiziert und ihm stehen nach dem Wehrdienst auch im Zivilbereich Aufstiegswege offen, die andere nicht haben. Natürlich können die IDF auch die Besten für die benötigten Berufe auswählen.
 

In den Gesprächen mit der Association of Craft and Industry in Israel – dem Dachverband der israelischen Handwerkskammern -, mit der deutschen Außenhandelskammer in Israel,  mit mittelständischen Unternehmen in Israel und im Wirtschaftsministerium wurde deutlich, dass insbesondere die kleinen und mittelständischen Unternehmen (das sind in Israel die meisten Unternehmen) auf die duale Ausbildung drängen. Großunternehmen haben häufig das Potenzial, ihren Mitarbeiter/-innen Aus- und Weiterbildungen zu ermöglichen. Das erhöht deren Attraktivität als Arbeitgeber und verschärft den Fachkräftemangel für die KMU. Mit zahlreichen Unternehmen kooperiert auch die Hebräische Universität in Jerusalem. Das dortige Institut für Bildung und Erziehungswissenschaften hat erfolgreich Modelle mit den Kooperationspartnern entwickelt, damit sozial benachteiligte Jugendliche über eine berufliche Ausbildung ein eigenverantwortliches Leben führen können. Sie wirken heute als Multiplikatoren und Vorbilder für die Randgruppen der Gesellschaft.
 

Die deutsche Delegation besuchte mehrere berufsbildende Einrichtungen in Yarka, Nazareth und Jerusalem. Die Atid Apprenticeship School in Yarka und die Amal Apprenticeship School in Nazareth sind den deutschen Berufsschulen vergleichbar. An drei Werktagen arbeiten die Jugendlichen in Unternehmen und erhalten auch eine Vergütung, an drei Werktagen gehen sie zur Berufsschule (Fachrichtungen: Kfz-Mechatronik, Datenverarbeitung, Installation, Sanitär, Gas, Wasser, Heizung>, Büromanagement, Koch sowie Kosmetik und Friseur). An diesen Schulen besteht auch die Möglichkeit, das Bagrut zu erwerben. Interessant sind die Lehrer-Schüler-Relation von 1: 10 sowie die gute Ausstattung mit sozialpädagogischen Fachkräften. Beide Schulen arbeiten auch präventiv gegen Drogen- und Alkoholmissbrauch, gegen Gewalt und engagieren sich für ein gutes Miteinander arabischer, drusischer und jüdischer Israelis. Das ORT-College in Jerusalem mit sieben Fachrichtungen, u. a. Design und Fotografie, entspricht eher einer deutschen Fachschule. Die Lehrkräfte sind meistens auch Dozenten einer Universität. Die Bildungsgänge der ORT-Colleges sind unterschiedlich. Manche Bildungsgänge führen zum Bagrut, andere sind im Bereich der Erwachsenen- und Weiterbildung anzusiedeln und entsprechen Studiengängen. Das Bagrut oder Berufstätigkeit ist hierfür Voraussetzung.
 

Aufschlussreich waren auch die Gespräche mit dem Mofet-Institut, das Lehrer weiterbildet. Hier wäre es am ehesten möglich, relativ schnell Lehrer zu Lehrkräften für Berufsbildung weiterzubilden, sodass der Erstbedarf an Lehrern für berufsbildende Schulen zügig gedeckt werden könnte. Darüber hinaus bedarf es natürlich des Aufbaus von Studiengängen an den Hochschulen, um mittel- und langfristig entsprechende Lehrkräfte auszubilden. Entscheidend sei aber, dass die Gesellschaft berufliche Ausbildung nicht weniger wertschätzt als die akademische Ausbildung. Solange das nämlich noch nicht der Fall ist, werden sich kaum genügend Studierende für berufsbildende Lehrkräfte finden.

Die deutsche Delegation hat die Berichte und Ergebnisse ihres Aufenthalts in Israel in einem Abschlussbericht unter dem Titel ‚Train the trainer of vocational education and training‘ für das Bundesministerium für Bildung und Forschung zusammengefasst. Schlussredakteur hierfür war Erwin Bauschmann. Der Bericht wird auf der Homepage der Nationalen Agentur beim Bundesinstitut für Berufsbildung veröffentlicht werden.

Verantwortliche
Schulleiterin

Terbeck 

Elke Terbeck
Tel.: 02152 1467 -0
E-mail: schulleitung@rmbk.de

 

stellv. Schulleiter

Laga3

Uwe Lagac
Tel.: 02152 1467 -0
E-mail: schulleitung@rmbk.de

 
 
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